Die Chronik unseres Vereins in der Zeit von 1920 bis 1995

Vergleicht man die Gründungsdaten der Rheingauer Gesangvereine miteinander, so kann man feststellen, daß der Männergesangverein "Frohsinn" Stephanshausen ein noch recht junger Verein ist. Das Gründungsjahr ist das Jahr 1920. Sein Alter entspricht in etwa dem Alter dreier Menschengenerationen. Sehr viel Energie, Liebe zum Chorgesang und Zusammengehörigkeitsbestreben sind erforderlich, um einen Verein über einen solchen Zeitraum am Leben zu erhalten. Der erste Weltkrieg mit all seinen Folgeerscheinungen war zu Ende gegangen, und das kulturelle Leben setzte wieder ein. Auch die Gesangvereine nahmen ihre Tätigkeiten wieder auf. Am 16. Mai 1920 trafen sich in Stephanshausen 34 sangesfreudige Männer unter dem Motto:

Singe, wenn dir Sorge droht,
singe, wenn du bist in Not,
singe, wenn so schwer die Pflicht,
singe, und du lebst im Licht.

und gründeten einen Gesangverein. Ihre Namen sind in dem Gründungsprotokoll verzeichnet:

Karl Jakobi, Adolf Christ, Simon Meckel, Franz Lietz, Karl Meckel II, Georg Meckel, Johann Zinser, Anton Schmelzer, Georg Jung, Peter Lietz, Anton Jakobi I, Peter Lippert, Heinrich Jung ,Franz Jakobi, Peter Hofman, Heinrich Hall, Anton Meckel, Philipp Jakobi, Josef Immel, Josef Meckel, Karl Meckel I, Philipp Christ, Anton Jung, Jakob Zinser, Anton Nattermann, Hermann Lietz, Philipp Zinser, Philipp Hofmann, Karl Christ, Anton Jakobi II, Jakob Jakobi, Heinrich Zinser, Anton Hofmann, Valentin Roos.

Als Vorstandsmitglieder wurden als Vorsitzender Anton Jung, als Schriftfiihrer Heinrich Zinser, als Kassierer Valentin Roos und als Beisitzer Karl Jakobi und Georg Jung gewählt.

Ziel war es, mit dem Gesang sich selbst und allen Bürgern von Stephanshausen Freude und frohe Stunden zu bereiten. So bestimmte man als Namen für den neugegründeten Verein

"Männergesangverein Frohsinn Stephanshausen".

Will man Lieder und Chöre einüben, so sind auch ein Ort zum Proben und ein Dirigent erforderlich. Vereinslokal, in dem die Gesangsproben unter Leitung von Johann Klein stattfanden, wurde das Gasthaus "Zur Waldeslust" von Johann Schmelzer. Johann Klein konnte aus gesundheitlichen Gründen den neuen Verein nur für kurze Zeit leiten und gab sein Amt an Bernhard Mackauer ab.

Das erste öffentliche Auftreten fand anläßlich des 10jährigen Stiftungsfestes des Männergesangvereins Rüdesheim statt. Verbunden mit dem Stiftungsfest war das erste Bundesfest aller Rheingauer Sänger.

Viele neue Mitglieder traten in diesem Jahr in den Verein ein. Das bisherige Vereinslokal war für die Proben zu klein, und ein Wechsel in das Gasthaus "Zum kühlen Grund" war erforderlich. Bald wurde der Wunsch laut, ein erstes Konzert in Stephanshausen zu veranstalten. Bereits am 1. Januar 1921 wurden Chöre, Volkslieder sowie humoristische Vorträge zu Gehör gebracht. Begeistert durch den großen Erfolg bei diesem ersten Konzert traten viele neue Mitglieder dem Verein bei.

Am 10. Juli 1921 nahm der Chor am Bundessingen anläßlich des 25jährigen Bestehens des "Liederkranzes" Geisenheim teil und errang die Note" gut".

Jeder Verein und jede Gemeinschaft hat als sichtbares Zeichen ein Symbol. Bei den Gesangvereinen ist dies die Sängerfahne. Auch der Gesangverein "Frohsinn" war bestrebt, bald eine solche Fahne zu besitzen. Ein Jahr nach der Gründung, im Dezember 1921, wurde beschlossen, eine Fahne zu kaufen. Hochherzige Spenden durch Freifrau von Mumm, Johannisberg, und Professor Wach ermöglichten einen schnellen Kauf. So traf bereits am 2. April 1922 die Fahne ein, und am 21. Mai 1922 konnte die Fahnenweihe durchgeführt werden. Freifrau von Mumm und Professor Wach wurden für ihre großzügige Unterstützung zu Ehrenmitgliedern ernannt. An dieser Fahnenweihe, verbunden mit einem Freundschaftssingen, beteiligten sich 14 auswärtige Vereine. Die Freiwillige Feuerwehr Johannisberg sorgte für den musikalischen Teil, und die Weiherede hielt Professor Wach. Die Feier stand unter dem Motto:

Rein im Sange,
Treu im Wort,
Fest in Eintracht immerfort.

Nun hatte der Verein ein Symbol. Die Fahne war immer dabei, wohin es auch ging.

Am 11. Juni 1922 beteiligte sich der Chor am 3. Sängerfest des Rheingauer Sängerbundes, wo gleichzeitig die 30jährige Jubelfeier des Gesangvereins "Freundesbund Erbach" veranstaltet wurde. Auch hier konnte der Verein in der Bewertung die Note "gut" erreichen. In der Folge wurde weiterhin in Winkel, Rüdesheim und Lorch gesungen. Der 18. Juli 1926 war ein Tag des größten Erfolges für den strebsamen Verein. Beim ersten Wertungssingen des Sängerkreises Rheingau in Niederwalluf, unter Stabführung von Chorleiter Jakob Gietz, damals noch wohnhaft in Johannisberg, errang der Verein den 1. Klassenpreis und darüber hinaus mit 81,5 Punkten die höchste Punktzahl von allen teilnehmenden Vereinen.



Den nächsten großen Erfolg brachte der 3. Juli 1927 anläßlich des Gesangswettstreites in Kiedrich. Der Chor errang den 1. Klassenpreis, den Ehrenpreis und den höchsten Ehrenpreis sowie den Dirigentenpreis. Auch in den darauffolgenden Jahren konnte der Verein schöne Erfolge erringen.

Nationaler Gesangwettstreit in Kiedrich 1927



Die Jahre 1929/30 und später die Erwerbslosigkeit und der wirtschaftliche Niedergang blieben auch im kulturellen Leben und in den Vereinen nicht ohne Wirkung. Durch die politische Gleichschaltung in der Zeit zwischen 1933 und 1945 waren dem Verein Beschränkungen auferlegt, die zwangsläufig zu einer Einschränkung des gesamten Vereinslebens führten.

Es kam das Jahr 1939. Der II. Weltkrieg begann. Die Mehrzahl der Sänger wurde einberufen, und nur eine kleine Schar blieb übrig. Dieser Krieg war eine schwere und bittere Zeit für den Verein. Viele Vereinsmitglieder waren bei Kriegsende 1945 gefallen oder vermißt.

Wie anders hatten sich die Sänger des Gesangvereins "Frohsinn" Stephanshausen dieses Jahr 1945 vorgestellt. 25 Jahre bestand der Verein, aber anstelle eines freudigen Jubiläumsfestes mußte der Verein wie alle anderen Vereine auch eine neue Bewährungsprobe durchmachen. Besatzungszeit und Ungewißheit über die Zukunft nach diesem schrecklichen Kriege ließen keine echte Freude mehr aufkommen. Zu sehr hatte der Krieg in jeder Familie seine Spuren hinterlassen. Trotzdem, ein echter Sänger verzagt nicht. Es muß wieder gesungen werden. Ein innerer Drang führte auch die Sänger in Stephanshausen wieder zusammen. Schon nach wenigen Wochen konnte der Verein mit Bewilligung der Militärbehörde neu beginnen. Er mußte ganz von vorne anfangen, denn viele Sänger waren ja nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt. Glücklicherweise erkannten viele Jugendliche den kulturellen Wert des Gesangs und schlossen sich dem Chor an. Bald stieg die Sängerzahl wieder auf 30 Mitglieder. Es war fürwahr nicht leicht zur damaligen Zeit. Die Zeit vor der Währungsreform wird manchem noch in guter Erinnerung sein. Es war eine harte Zeit, und viel Idealismus war notwendig, um durchzuhalten. Der Gesangverein "Frohsinn" Stephanshausen besaß diesen Idealismus. Unter großen Opfern wurde auch diese Krise überwunden, und alle Sorgen und Nöte waren bald vergessen.

Langsam ging es wieder aufwärts und besseren Zeiten entgegen. In Anbetracht der vielen neuen Sänger bedurfte es einer längeren Anlaufzeit, ehe der Verein wieder in die Öffentlichkeit treten konnte. Deshalb nahm der Verein erstmals nach Jahren am 16. Juli 1949 mit 40 Sängern am 50jährigen Stiftungsfest des MGV "Cäcilia" Rüdesheim-Eibingen teil. Anläßlich des 80jährigen Jubelfestes der Sängervereinigung Johannisberg am 11. September 1949 wirkte der Verein mit. Der 8. Januar 1950 war wieder ein Markstein in der Geschichte des Vereins. Man feierte nicht das 30jährige Bestehen, aber man führte das erste Konzert nach dem II. Weltkrieg mit großem Erfolg durch.

Der Verein hatte viele langjährige Mitglieder. Es waren noch einige Gründer in den Reihen der Aktiven und Inaktiven. Sie hatten dem Verein trotz mancher Schwierigkeiten die Treue gehalten.

Mit der Vereinsnadel mit Silberkreuz für 25jährige Mitgliedschaft wurden damals ausgezeichnet:

Jakob Christ, Franz Jakobi I, Karl Jakobi I, Josef Lietz, Simon Meckel, JosefZinser, Fritz Bruns-Wüstefeld, Anton Hofmann, Karl Meckel, Hubert Jakobi, Karl Jakobi II, Anton Meckel, Johann Roos I, Philipp Zinser, Philipp Hofmann, Jakob Jakobi I, Heinrich Jung, Johann Roos II, Anton Immel, Peter Hofmann, Jakob Jakobi II, Anton Körber, Josef Meckel, Valentin Roos, Walter Meckel.

Am 13. August 1950 nahm der Verein am Gesangswettstreit in Hallgarten teil. Der Chor errang dort den 2. Klassenpreis und im höchsten Ehrensingen den 3. Ehrenpreis. Bei dem Wertungssingen des Sängerkreises Rheingau am 15. April 1951 erhielt der Chor die Note "1-2". Auch der Wettstreit in Niederwalluf am 5. August 1951 war für den Verein ein schöner Erfolg. Er errang den 1. Klassenpreis und den höchsten Ehrenpreis. Ein Sängerwettstreit in Spiesheim am 29. Juni 1952 wurde ebenfalls besucht. Hier konnte der Chor den 2. Klassenpreis und den höchsten Ehrenpreis erringen. Das Wertungssingen des Sängerkreises Rheingau am 28. September 1952 erbrachte die schöne Note "sehr gut", und der Verein erreichte damit die Teilnahme am Bezirksleistungssingen.

1953 war ein Jahr regster Aktivität: Am 6. April wurde ein Konzert in der Winzerhalle Johannisberg durchgeführt. Für die 120 Sänger der Gesangvereinigung Flörsheim, die bei diesem Konzert mitwirkten, waren die Räumlichkeiten in Stephanshausen zu klein. Dieses eindrucksvolle Konzert wurde zu einem Bekenntnis zum deutschen Lied und der Sängerkameradschaft. Ebenfalls nahm der Verein in diesem Jahr in Aulhausen, Niedersaulheim, Winkel, Kettenbach und Rüdesheim an Freundschaftssingen teil.

Am 13. September 1957 sang der Verein am Kommersabend beim Sängerfest in Kiedrich und am 22. September in Wildsachsen. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Stephanshausen am 28. Juni 1958 trug der Verein zum Gelingen der Veranstaltung durch Vortragen von Chören bei.

Getreu dem Sängerwort und in steter Verbundenheit mit anderen Vereinen, nahm der Chor am Freundschaftssingen am 3. August 1958 in Johannisberg und am 10. August in Geisenheim teil. Das Kreiswertungssingen des Sängerkreises Rheingau am 20. September 1959 in Geisenheim, das zu einer machtvollen Kundgebung für das deutsche Lied wurde, erbrachte dem Verein einen sehr guten Erfolg. Mit diesem Kreiswertungssingen war nun das Jahr 1959 für den Verein abgeschlossen. Es begannen die ersten Vorbereitungen für das Jahr 1960, welches ein bedeutendes Jahr in der Geschichte des Vereins werden sollte.



1945 hätte der Verein sein 25jähriges Bestehen feiern können, aber gerade in diesem Jahr war der II. Weltkrieg zu Ende gegangen, und für eine Jubiläumsfeier wäre wohl dieses Jahr nicht geeignet gewesen. Deshalb war beschlossen worden, das 40jährige Bestehen des Vereins in Form eines Freundschaftssingens zu begehen. 18 Vereine aus nah und fern hatten sich angemeldet, und es wurde für den Verein und ganz Stephanshausen ein einmaliges Erlebnis. Das Fest stand unter dem Motto:

In Freud und Leid zum Lied bereit!

Bei dieser Gelegenheit wurden folgende Mitglieder des Vereins für 40jährige Mitgliedschaft vom Deutschen Sängerbund geehrt:

Anton Hofmann, Johann Roos, Karl Jakobi I, Hermann Lietz, Leopold Lichtnecker, Valentin Roos, Josef Zinser, Josef Meckel, Simon Meckel II, Karl Meckel, Franz Jakobi, Karl Jakobi II, Jakob Lietz.

Das Jahr 1961 verlief etwas ruhiger. Am 30. April besuchte der Verein den MGV Gladbach bei Neuwied und am 4. Juni das Freundschaftssingen in Hallgarten. Am 13. Mai 1962 feierte der Leiter des Chores Jakob Gietz sein 40jähriges Dirigentenjubiläum. Aus diesem Anlaß fand in Walluf zu seinen Ehren ein Gemeinschaftskonzert statt, an dem alle von Jakob Gietz dirigierten Vereine teilnahmen.

Konzert 1962 im Gasthaus Lietz



Auch in den Jahren 1963/64 konnte der Verein bei Freundschaftssingen schöne Erfolge erringen. Unser Konzert am 16. März 1965 war ein gesanglicher Höhepunkt. Es war gleichzeitig das letzte Auftreten des Vereins mit seinem langjährigen Dirigenten Jakob Gietz Er wurde aus Altersgründen verabschiedet und gleichzeitig Hans Schweikart als neuer Dirigent eingeführt. Hans Schweikart hatte sich als Dirigent trotz seiner Jugend bereits einen guten Namen erworben, und der MGV "Frohsinn" war froh, in ihm einen so würdigen Nachfolger gefunden zu haben.

Die Ära, in der der Verein unter der Leitung von Hans Schweikart stand (1965- 1988), läßt sich durch "Frohes Singen überall" beschreiben. Der Verein nahm an vielen Freundschaftssingen bei Jubiläen anderer Vereine teil. Hans Schweikarts Verdienst ist es auch, daß er immer wieder gemeinsame Konzerte mit allen von ihm geleiteten Chören veranstaltete, an denen auch der MGV "Frohsinn" mit großem Erfolg teilnahm. In regelmäßigen Abständen fanden auch in Stephanshausen vereinseigene Konzerte (Liederabende), manchmal auch mit Beteiligung befreundeter Gesang- und Musikvereine, statt.



Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte war das Jahr 1970. Der Verein bestand nun ein halbes Jahrhundert. Diesen Geburtstag wollte man gebührend feiern. Ein großes Fest in einem Festzelt wurde arrangiert und an drei Tagen gefeiert. Verbunden mit dem Fest war ein Freundschaftssingen, an dem 38 auswärtige Chöre teilnahmen. Für ihre aktive Sängertätigkeit wurden geehrt:

für 50jährige Mitgliedschaft: Karl Meckel, Simon Meckel, Anton Hofmann

für 40jährige Mitgliedschaft: Gottfried Bolz, Anton Immel, Fritz Bruns-Wüstefeld, Josef Lichtnecker

und für 25jährige Mitgliedschaft: Anton Jakobi, Alfred Zinser, Anton Kohmann, Heinz Körber, Martin Hofmann, Franz Burjanek, Hermann Körber, Werner Roos, Hans Meckel, Jakob Hofmann, Rudolf Jung, Eduard Schuld, Johann Körber, Ludwig Meckel, Simon Meckel .


Man traf sich an so manchem Ort und mochte singen immerfort.



Wiederum ein Jahr mit großer Bedeutung war das Jahr 1977. Der Verein benötigte eine neue Vereinsfahne. Die Fahne aus dem Jahr 1922 hatte stark gelitten und war mit der Zeit alt und unansehlich geworden und für repräsentative Zwecke nicht mehr brauchbar. So entschloß man sich, eine neue Fahne zu beschaffen. Sie wurde erstmalig in der Öffentlichkeit bei der Fahnenweihe am 18. und 19. Juni 1977 vorgestellt. Verbunden mit der Fahnenweihe war ein Freundschaftssingen, an dem 10 Rheingauer Gesangvereine teilnahmen.

Ein weiteres Ereignis verdient noch der Erwähnung. Im Jahr 1980 feierte der MGV "Frohsinn" sein 60jähriges Vereinsjubiläum. Es wurde mit einem Freundschaftssingen am 21. Und 22. Juni begangen, an dem leider nur recht wenige auswärtige Chöre teilnehmen konnten. Die Gelegenheit wurde genutzt, langjährige aktive Mitglieder zu ehren.

Für 60 Jahre aktive Mitgliedschaft wurden geehrt: Anton Hofmann, Karl Meckel, Simon Meckel

und für 50jährige Mitgliedschaft: Gottfried Bolz

Das Jahr 1988 brachten dem MGV "Frohsinn" wesentliche Veränderungen. Mit dem Tod seines Mitgliedes Anton Kohmann, der auch der Wirt des Vereinslokals "Zum kühlen Grund" war und in dem der Verein seit Anfang der zwanziger Jahre seine wöchentlichen Proben abhielt, stand das Vereinslokal nicht mehr zur Verfügung. Seine Witwe wollte das Lokal schließen. Auf der Suche nach einem neuen Vereinslokal fiel die Wahl auf das Dorfgemeinschaftshaus.

Im Juni 1988 konnte unser langjähriger Dirigent Hans Schweikart nach 23 Jahren aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst nicht mehr ausüben. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er zum Ehrendirigenten des Vereins ernannt. Als Nachfolger konnte Jörg Mehren gewonnen werden. Jörg Mehren, ein Berufsmusiker, hatte vorher noch keine Erfahrung im Dirigieren von Chören; er hat diese Aufgabe aber mit großem Erfolg gemeistert. Schon im Frühjahr 1989 hat der Verein unter seiner Leitung bei Schallplattenaufnahmen, bei denen alle Geisenheimer Ortsvereine anläßlich der "100 Jahre Stadtrechte" von Geisenheim (Man muß wissen: Stephanshausen wurde im Rahmen der Gemeindereform 1970 ein Stadtteil von Geisenheim.) teilnahmen, mitgewirkt.



1995 - 75jähriges Bestehen MGV Frohsinn



Ein kleiner Verein, wie es der MGV "Frohsinn" heute ist, leidet in der jetzigen Zeit an Überalterung und sinkender Mitgliederzahl. Sie hat sich jedoch in den letzten Jahren glücklicherweise stabilisiert. War es in früherer Zeit so, daß man durch den Eintritt in einen Gesangverein - vorausgesetzt man hat Freude am Gesang - durch den Besuch von Sängerfesten ein wenig über den eigenen "Tellerrand" hinausschauen konnte, so scheint in unserer heutigen Zeit, die immer mehr durch Egoismus und Konsum von Wirtschafts- und Kulturgütern geprägt ist, die Arbeit in einem Verein nicht mehr gefragt zu sein. Es bleibt zu hoffen, daß sich wieder die Erkenntnis durchsetzt, daß der einzelne Mensch einen größeren Genuß und eine größere Befriedigung nur dann erfahrt, wenn er anstelle des Konsums die Sache selber tut und sich in den Dienst der Gemeinschaft stellt. In diesem Glauben bauen wir auf die Zukunft und geben im Sinne von Franz Schubert unserer Zuversicht Ausdruck.

Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,
wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
hast du mein Herz in wahrer Lieb entzunden,
hast mich in eine bessre Welt entrückt!
Oft hat ein Seufter, deiner Harf entflossen,
ein süßer, heiliger Akkord von dir,
den Himmel bessrer Zeiten mir erschlossen,
du holde Kunst, ich danke Dir dafür.



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